Zuletzt geändert am 23.04.2008
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Marlesreuth bekommt seine Schule

 
5 Schulhäuser in 300 Jahren

Am 3. September 1961 weihte die Bevölkerung von Marlesreuth ihr neues Schulhaus ein. Es steht am Westrand des Dorfes in einen Hang hineingebaut. Damit hat sich unsere Gemeinde ein würdiges Geburtstagsgeschenk zur 600 Jahrfeier beschert, und wir alle sind stolz auf dieses Bauwerk.

Deshalb ist es nur natürlich, daß wir einmal zurückblicken und uns seiner Vorgänger erinnern.

Im Jahre 1659 erbarmte sich der damalige Gutsherr Wolf Gerhard von Guttenberg der Jugend und stellte sein Hirtenhaus als Schule zur Verfügung. Es stand da, wo das jetzige Gemeindehaus steht, und diente fast 100 Jahre den schulischen Belangen.

Da die Schule von den Grundherren eingerichtet worden war, wollten sie sich auch das Patronatsrecht darüber aneignen. Dies wollte aber die Regierung nicht dulden. Deshalb schickte sie den Stadtvogt von Hof mit einem Kommando nach Marlesreuth, um einen neuen Lehrer und Kantor einzusetzen. Ein Herr von Wildenstein (der Hinkende) setzte sich, mit 2 Pistolen in den Händen und blankem Säbel im Mund, zur Wehr und drohte dem Vogt mit dem Tode, wenn er einen Lehrer einsetzte. Diese Sprache bewog den Vogt wieder abzuziehen. Doch ließ er, zum Zeichen, daß er da war, einen Span aus der Tür schneiden, den nahm er dann mit.
Nicht weniger rabiat war der Nachwuchs derer von Wildenstein, wie aus den Kirchenbüchern der Gotteshausrechnung von 1695/96 hervorgeht: " 8 Groschen 6 Pfennig für neue Kacheln in die Schul, so die jungen Herren von Wildenstein zerschlagen. 5 Groschen für die Fenster in der Schul zu machen, welche ebenfalls die Wildensteiner zerschlagen. "

Erst 1754/56 wurde ein wirkliches Schulhaus in den unterhalb der Kirche liegenden Obstgarten gebaut. Der Zimmermeister hat mit 2 Gesellen 17 Wochen und der Maurermeister Spörl aus Naila ebenfalls mit 2 Gesellen 25 Wochen gebaut. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 430 Gulden. Es war ein Wohnhaus mit einer Stube, die Wohn- und Schulstube zugleich war. Dazu gehörten noch eine Stallung, Scheune, Schupfen, Backofen und ein Schorgärtlein. Außerdem 3/4 Tagwerk Feld am Selbitzweg und 1/4 Tagwerk im Grund.

Im Jahre 1851 bittet der damalige Schullehrer und Cantor Johann Adam Dippold um den Bau eines neuen Schulhauses, da die Decke des Schulzimmers eingestürzt ist und die Lehrerwohnung einen so ruinösen Zustand aufweist daß er sich nur noch unter Lebensgefahr darin aufhalten kann.
 1853 baute die Gemeinde dann wieder ein Schulhaus mit einem großen Schulzimmer und einer anständigen Lehrerwohnung. Auch eine neue Schulscheune wurde errichtet. Das Außenmauerwerk bestand bei beiden Gebäuden aus zubehauenen fast schwarzen Steinen, die dort, wo heute das alte Feuerwehrgerätehaus steht, gebrochen wurden. 
 Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf 5796 Gulden und 36 Kreuzer.

Bereits am 24. März 1864 vermeldet das Kgl. Landgericht Naila an die Regierung, daß die politische Gemeinde Marlesreuth mit 821 Einwohnern eine einzige prot. Schule mit 117 Werktags- 
und 49 Sonntagsschülern hat und deshalb zu erwägen ist, ob nicht eine zweite Schule zu errichten sei.
 Das Schulhaus, obwohl erst seit 6 Jahren neu gebaut, bietet nicht die nötigen Räumlichkeiten für eine 2. Schule und ebensowenig eine erforderliche Wohnung für einen 2. Lehrer.
 

Aber Marlesreuth vergrößerte sich, und auch die Schülerzahl stieg. Einer der damaligen Lehrer, Gebhardt, unterrichtete jahrelang ca. 160 Schüler in einem Klassenzimmer. Er tat dies mit Fleiß und Aufopferung. Diese Tatsache fand auch bei seinen Vorgesetzten Anerkennung. Allerdings starb er auch schon mit 47 Jahren, und sein Leiden war eine Folge der Überanstrengungen.

Aus diesem Grunde war unser Ort gezwungen, in den Jahren 1879/80 ein zweites Schulhaus zu bauen.
 Marlesreuth, den 1. Dezember 1877.: "Nach den vorliegenden Kostenanschlägen beziffert sich das dahier zu erbauende 2. Schulhaus einschließlich Aborte und Holzlege eine Bausumme von 11 896 Mark 87 Pfennige. Die Gemeinde hat außer 3 kleinen Feuerweihern kein rentierendes Vermögen und hat 1055 Mark 91 Pf. Schulden. Die Gemeinde bittet um Unterstützung von 2/3 der Bausumme."-

 In einem Schreiben des Kgl. Bezirkamtes Naila vom 6. Dezember 1877 an die Kgl. Regierung heißt es: Betr. Neubau eines zweiten Schulhauses in Marlesreuth:
 "Die Gemeinde Marlesreuth zählt im ganzen 120 Hausnummern und 191 Haushaltungen, wovon 125 dem Weberstande angehören, welcher nahezu 200 Webstühle in Betrieb hat. Es ist deshalb dieser Ort recht eigentlich eine Weberkolonie, die sich nur vom Verdienst der Weberei zu ernähren hat und da dieser wöchentlich für den Weber und Spuler in der Regel 4 Mark nicht übersteigt, so ergibt sich zur Evidenz, daß kaum das Leben damit befriedigt werden kann, viel weniger, daß neben den gewöhnlichen Gemeinde Umlagen noch außerordentliche Bedürfnisse bestritten werden können...."
                                                                                                             Gehorsamst             Lintl

Das 2. Schulhaus steht gegenüber dem Pfarrhaus und besaß ebenfalls einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung. Es wurde am 11. Oktober 1880 eingeweiht.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg stieg unsere Schülerzahl bis auf 170, und da reichten auch die beiden vorhandenen Schulräume nicht mehr aus. Deshalb wurde die Lehrerwohnung im gemeindeeigenen Schulhaus 1949 zu einem Schulraum ausgebaut. Somit war die ärgste Not behoben, und der Unterricht konnte auch ordnungsgemäß gehalten werden. Aber ideal waren unsere Schulverhältnisse nicht, da ja in 2 Schulhäusern unterrichtet werden mußte.

So ist es nicht verwunderlich, daß die Gemeinde zu ihrem 600. Geburtstag sich selbst ein Geburtstagsgeschenk machte. Es ist unser neues Schulhaus. In ihm finden wir nun das, was wir benötigen: Licht, Sonne, freundliche Räume für den Unterricht und einen zweckmäßigen Gymnastikraum mit Duschen für die körperliche Ertüchtigung.

Wir wünschen ihm ebensoviele Jahre wie seinen Vorgängern zum Wohle unserer Jugend, zum Wohle unseres Ortes Marlesreuth und zum Wohle unseres ganzen deutschen Volkes.

                                                                                                                                    Verfasser: Hans Dill

Der Wunsch unseres alten Schulleiters Hans Dill durfte leider nicht in Erfüllung gehen, da die neue Schule kurz nach der Eingemeindung nach Naila im Jahre 1978 aufgelöst wurde.
In diesem Gebäude befindet sich nun der ev. Kindergarten und die Freiwillige Feuerwehr Marlesreuth.

Anmerk.: Der Artikel wurde größtenteils in der Festschrift der 600 Jahrfeier von Marlesreuth 1962
                 veröffentlicht. Ergänzt habe ich diesen Artikel mit Hilfe der Chronik von Marlesreuth.