Zuletzt geändert am 23.04.2008
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Das obere Rittergut

 
Das obere Schloß

" Der Hochedle geboren Großmannfeste Herr Wilhelm Heinrich von Wildenstein, Erb- und Lehenherr uff Naila und Marlesreuth wurde christadelig mit gebührendem Zeremonien in der Kirche beerdigt. Alter 44 Jahre. 8. Mai 1685."
Seine Witwe fertigte im Jahre 1687 eine genaue Güterbeschreibung.
Zum oberen Schloß gehörten ein Wohnhaus und ein Schafgebäude in Marlesreuth, 68 Tagwerk Felder, 14 1/4 Tagwerk Wiesen, 30 Tagwerk Wald, ein Forellenbach und eine Schäferei, auf der im Sommer 350 Schafe gehalten werden konnten. Außerdem besaß die Wildensteinerin das Recht, die niedere Jagd auszuüben. Ihren Besitz veranschlagte sie auf 5478 Gulden. Dem Pfarrer in Selbitz wurden vom Gut alljährlich 3 1/2 Gulden gereicht, da Mrlesreuth damals noch keinen eigenen Pfarrer hatte.

Die Höfe des Rittergutes

Zum Rittergut gehörten 21 Höfe und Häuser in Marlesreuth, Molkenbrunn und Haueisen. Alle Untertanen besaßen ihre Höfe als Erbzinslehen und mußten alljährlich an Walburgi und Michaeli 27 Gulden, 7 Groschen 5 Pfg. Erbzins an die Herrschaft zahlen, wodurch sie berechtigt waren, ihre Höfe auf den Sohn, aber auch auf die Töchter und andere nahe Verwande zu vererben. Eine schwere Belastung bedeutete für die Bauern der 10. Pfg. Lehensgeld, das der Grudherr bei allen Besitzveränderungen (Verkauf, Tausch, Tod) verlangte und das den 10. Teil des Schätzwertes des Hofes betrug. Außerdem hatten die Wildensteiner auf allen Höfen das Kaufrecht; wurde der Schätzungswert bezahlt, so mußte der Bauer seinen Hof verlassen. Für die genutzten Lehenshöfe hatten die 21 Untertanen alljährlich 18 Fastnachtshühner, 7 1/2 Schock Eier, 15 Käse und 5 Weihnachtssemmeln an die herrschaftliche Küche abzuliefern. 

Fronarbeit

Sehr drückend wurde von den Bauern die im einzelnen genau angegebenen Hand- und Spanndienste empfunden. Die Fronarbeiten verteilten sich über das ganze Jahr, mußten unendgeldlich geleistet und mit Geld abgegolten werden, wenn der Lehensmann seinen Verpflichtungen nicht nachkam. Die Bauern mußten im Frühjahr und im Herbst 122 Tage auf den herrschaftlichen Feldern mit ihren Gespannen pflügen; mittags wurden sie aus der herrschaftliche Küche verköstigt, am Abend empfingen sie nichts. Für das Anspannvieh war beim Ackern im Frühjahr das eigene Heu zu füttern, im Herbst erhielten sie Hutweide oder Heu. Einige Bauern waren verpflichtet Mist zu fahren. Dabei mußte jeder einen Lader mitbringen; mittags erhielten sie Kost und für die Anspann Hutweide oder Heu. Andere wieder brachten das Samengetreide auf die Äcker und eggten es ein. 16 Tage wurde gemäht. Jeder Mäher bekam dreimal täglich Essen, mittags Fleisch und 1/2 Maß Bier. Bei der Getreideernte wurden 145 Tage vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang gearbeitet; jeder Schnitter erhielt ein Mittagessen und am Abend ein Stück Brot. 342 Fuhren mit eigenen Gespannen waren zu leisten. Beim Einfahren, wobei jeder einen Langer mitzubringen hatte, wurde ein Stück Brot gereicht. Außerdem waren für die Herrschaft alle gemeinen und Baufuhren zu leisten. Alle Untertanen hatten, sooft es gewünscht wurde, als Treiber auf der Hasenjagt zu erscheinen. Dauerten die Treiberdienste einen ganzen Tag, so erhielten sie nur am Abend Kost, im Winter ein Stück Brot. 
Im Winter hatten die Lehenspflichtigen in den herrschaftlichen Wäldern 25 Lachter Brennholz zu schlagen und abzufahren. Bei dieser Arbeit wurden sie nicht verköstigt. Nach dem Dreschen waren alle Bauern verpflichtet, das Getreide des Lehensherrn in die Mühle oder auf den Markt zum Verkauf zu bringen. Auch hatten sie die Herrschaft zu fahren, wohin sie begehrte. Ein Untertan mußte zur Verfügung stehen und vier Meilen Botendienste leisten, wenn es die Herrschaft verlangte.

Am 1. Oktober 1689 bewilligte Bischof Marquard Sebastian der Witwe Anna Helena von Wildenstein, 1100 Gulden neue Schulden auf Marlesreuth aufzunehmen.
Lehensbrief

Am 29. April 1691 stellte sie einen Lehenbrief für Andreas Baaderschneider in Marlesreuth aus; 
" Ich Anna Helena von Wildenstein, geborene Przichowsky Wittib in bestätigter Vormundschaft meiner beiden jüngsten Söhne, als Carol Heinrich und Augustus Alexander von Wildenstein, bekennen öffentlich, daß wir leihen hiermit kraft dieses Briefes dem arbeitsamen Andreas Baaderschneider in Marlesreuth ein Haus, Felder und Gärtlein samt der Ein- und Ausfahrt mit aller Nutzung und Gerechtigkeit."


 
Verkauf

Das obere Rittergut mußte schließlich schuldenhalber verkauft werden; es ging am 28. April 1703 an Christoph Karl von Wildenstein auf Moggenbrunn über.