Zuletzt geändert am 23.04.2008
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Das Rittergut Nestelreuth
1559 - 1782

 
Der Kauf vom Gut Nestelreuth und seine Vergrößerung durch die Wildensteiner

31. August 1559: Jobst Jheronimus von Wildenstein , ein Sohn Wilhelms von Wildenstein hatte einen Ansitz zu Nestelreuth, den er von seinem Vetter Sebastian von Wildenstein gekauft hatte. In erster Ehe war er mit Emmerentia von Watzdorf, welche am 10. März 1560 verstarb, vermählt. 
Jobst Jheronimus von Wildenstein vermehrte seinen Besitz und brachte die Anteile seiner Brüder zum größten Teil an sich. 
Ihm folgte sein Sohn Wilhelm, dem mit Amalie von Beulwitz verheiratet war.
Am 30. Mai 1569 kaufte er von seinem Bruder Hans Georg von Wildenstein zu Fahrbach die Lehensleute und Schafbetriebe zu und um Naila. 
Am 26. November 1581 übernahm er von Klara von Wildenstein, geb. von Stainsdorf, Witwe auf dem Kulmitzhammer, "ein Stück Haberfeld, der Steinpuhel genannt, sowie die Schaftrift und ein Drittelshof zu Grafengeheg."
Am 31. Juli 1578 kauft er von Georg von Wildenstein zu Schwarza in Österreich (bei Graz) 3 Höfe und Güter in Marlesreuth und einige Lehensstücke in Naila.
Am 8. Dezember 1589 erwirbt er von Rudolph von Gailsdorf zu Selbitz einen weiteren Hof in Marlesreuth.

Am 3. Juni 1596 kauft sein Sohn Wilhelm von Wildenstein von seinem Vetter Hans Sichmundt vom Wildenstein einen Fischbach, der Döbra Bach genannt wird.
12. Mai 1600 bekommt Wilhelm von Wildenstein weiter 3 Höfe und Lehen in Marlesreuth und etliche in Naila vom Bischof Johann Philipp zum Lehen.
1610 / 1617 Belehnung des Wilhelm von Wildenstein zu Nestelreuth.

Das Gut geht in die Händer der von Reitzenstein

1643 Das Gut Nestelreuth geht in die Hände von Johann Heinrich von Reitzenstein, gegen Abtragung der darauf haftenden Schulden über.
1680 / 1685 "Wolff Christoph von Reitzenstein wegen des von seinen Brüdern Hannß Heinrich verkauften Guts Nestelreuth, welches nachmals wiederum an Christoph Heinrich, Carl August und Wolff Christoph von Reitzenstein verkauft worden."
5. Oktober 1684. Bischof Marquard Sebastian verleiht dem Wolf Christoph von Reitzenstein das Gut Nestelreuth "samt Hof, Scheuer, Bräu und Schafhaus nebst dazugehörigen Feldern, Wiesen und Teichen zu rechtem Mannlehen."

1689 klagt Wolf Ernst von Reitzenstein gegen die Einwohner von Naila wegen 12 Eimer Bier die seinen Untertanen in Nestelreuth abgenommen wurden.

1704 Das Gut Nestelreuth wird an Johann Georg von Reitzenstein verkauft,
nachdem am 20. September 1703 Christoph Reinhard von Reitzenstein als kurbayerischer Oberstwachtmeister im Kürassier Regiment Arco in der Schlacht bei Höchstädt gefallen war.
1730 / 1748 "Deren von Wildenstein Belehnung über Nestelreuth."


 
Die Wildensteiner kaufen Nestelreuth zurück

1723 / 1764 Kaufakte über Nestelreuth von Wolff Christoph von Reitzenstein an Carl Christoph von Wildenstein und nachmaliger Verkauf an die von Reitzenstein.
9. November 1723. Bischof Lothar Franz verleiht dem Rittmeister Carl Christoph von Wildenstein für sich und seine drei Brüder Johann Georg, Christoph Ludwig und Friedrich Philipp, sowie für seine Vettern Christoph Friedrich und Heinrich Carl von Wildenstein, das Gut Nestelreuth und Marlesreuth samt Zugehörungen zu rechtem Mannlehen.

1722 / 1729. Die von Wildensteinschen Untertanen zu Nestelreuth und Marlesreuth klagen gegen den Rittmeister von Wildenstein wegen übermäßiger Fron.
 


 
Das Gut Nestelreuth geht wiederum zurück an die von Reitzenstein

19. Oktober 1758. "Bischof Adam Friedrich zu Bamberg und Würzburg verleiht dem Wolf Ehrenfried von Reitzenstein und seinem Bruder Wolf Veit Christoph von Reitzenstein das Gut Nestelreuth.
Lehensbrief des Bischofs Adam Friedrich für den fürstlich Onolzbachischen Cammerherrn, Obrist-Lieutnant der Husaren-Garde, Obrist-Stallmeister und Oberamtmann zu Uffenheim, Wolf Ehrenfried von Reitzenstein, für sich und anstatt und in Vollmacht seines Bruders des königlich dänischen Geheimen Raths und Amtmanns zu Werdinburg Wolf Veit Christoph von Reitzenstein über das Gut Nestelreuth mit Zugehörungen zu rechtem Mannslehen.
Welche Lehengüter und Stücke unter Bischof Franz Conrad der Kaiserlich Königliche Ober-Lieutnant Friedrich von Wildenstein unterm 25. Juniy 1754 empfangen und nachdem sodann Güter zum öffentlichen Verkauf ausgestellet, dem Herrn von Reitzenstein als Meistbietender überlassen worden. Zu Urkund ist unser Secret an diesen Brief gehangen, so gegeben in unserer fürstlichen Residenz-Stadt Bamberg den 19. Monatstag Octobris 1758."

Wolf Ehrenfried von Reitzenstein stirbt am 16. März 1778 im Alter von 66 Jahren in Ansbach und wird am 19. März standesgemäß beerdigt.


 
Nestelreuth geht an das Kaiserliche Hochstift

Posseßnehmung des Ritterguts Nestelreuth nach Absterben des kgl. dänischen Geheimen Raths 
Wolf Veit Christoph von Reitzenstein.
Extractus

Hochfürstlich Bambergischen Enchenreuther Amts- protocoli
Actum Schloß Nestelreuth, den 1. Jener 1782
P.P. Hochfürstlicher Bambergischer Amtsvogt Koppelt
        Gerichts Actuario Dietz
        Johann Schramm, Bürgermeister
        Johann Dolus, des Raths
        Adam Peetz, Schultheis zu Döbra

Da den Hochfürstlichem Amt die Nachricht zugegangen, wie der hochstiftliche Vasall, dänemarkische Herr Minister und Freiherr von Reitzenstein, Herr auf Nestelreuth, von dieser Zeitlichkeit abgefordert seye, somit der letzte männliche Besitzer dieses Guts Nestelreuth gewesen, solches mit allen Zugehörungen dem Kaiserlichen Hochstift heimfällig geworden, so hat Amtsvogt als seine Pflicht angesehen, sich mit nebengesetzter Deputation nach Schloß Nestelreuth zu verfügen. In dem Durchgang durch Marlesreuth gestunde nicht nur der von Reitzensteinsche Richter Nicol Schrepfer solches ein, sondern es wurde auch von ihm auf Erfordern das Handschreiben des gewesenen von Reitzensteinischen Verwalters ad Acta gegeben.

Sämtliche Untertanen und Lehensleute wurden nach Schloß Nestelreuth berufen, erschienen von denselben folgende: Nicol Schrepfer, Richter; Adam Schrepfer, Johann Schrepfer, Johann Kiesling, Simon Schmitt, Jacob Bodenschatz, Andreas Rottmann, Johann Geörg Rottmann, Johann Nikol Jahn, älter; Johann Nikol Jahn, jünger; Johann Jahn, Jacob Saalfrank, Jacob Heßler und Johann Spörl. Andreas Geußer ist noch nachgekommen und hat in Marlesreuth angelobet.

Diesen wurde der betrübte Todesfall, als auch jenes notificiert, daß nunmehr all dasjenige, was der Herr Vasall von dem Kaiserlich. Hochstift zu Lehen getragen habe, nunmehr unmittelbar an dasselbige übergegangen seye.
Nach diesem wurde von denen Gegenwärtigen in ihrem und anderen Abwesenden Namen die Handgelöbnis teils als blosen Lehenleuten teils zugleich Vogteiuntertanen (Wo sie ohnehin allschon Hochstiftlich Bambergische Cent- und Landesuntertanen wären) abgenommen und willig abgelegt. -
Sämtlich solche Untertanen und Lehnleuten in Specie aber dem Pachter und Richter wurde untersagt bis auf weiter Weisung unter der Straf des doppelten Ersatz und anderer Ahndung anderwohin als nach dem Hochstiftlichem Amt Enchenreuth etwas an Giebigkeiten abzureichen.

Diesen angelobt habenden Untertanen wurde einem jeden eine Maß Bier und für ein Kreuzer Brot zu einer Ergötzlichkeit erlaubt und ausgeworfen.

Nachdem nun allschon bei Eingang in das Schloß Nestelreuth von der Türschwelle, zum Zeichen der erlangten Lehen- und Vogteiherrschaft, ein Span ausgehauen worden war, so wurde auch das alte Feuer abgelöscht und ein neues angezündet; anbei erkläret das animo et Corpore die Possesion aller vor dem Hochseligen Herrn Vasallo getragene Lehenschaften apprehendiret wurde. -

Beinebst wurde der Pachtbrief des Pachters unter der Zusicherung solchen ihn wiederum zuzustellen in Vewahrung gezogen.

Da nun aus dem Invetario und sonsten zu ersehen gewesen, da nichts vorhanden, welches mir Obsignatur bedarfen täte, maßen alles des Pachters Eigentum oder solches zum Gebrauch unentbehrlich wäre, so wurde auch keine Sperr angelegt und somit dieser Actus bei keiner vorgekommenen mindesten Contradiction öffentlich ruhig und in Gottes Namen beschlossen. -


 
Wertermittlung des Schloß Nestelreuth

Das Schloß ganz neu erbaut, enthält 4 Stuben, einen noch nicht ausgebauten Saal, 4 Kammern, Küche, Keller und Getreideboden; ist pflichtgemäß geschätzt auf 1200 fl. Will man aber solches nur als ein bloßes Okonomiegebäude betrachten, wie es auch von einem gemeinen Mann erkauft werden kann, so ist dasselbe geschätzt auf 800 fl.

Ein Nebenhaus, welches unter Dache aber ohne Fenster stehet und eine Stube, 2 Kammern und einen Stall enthält; geschätzt auf 300 fl.

Eine Viehstallung zu 30 Stück Vieh, 2 große Scheuern und 1 Schopfe; geschätzt auf 700 fl.

Das Schafhaus worin dermalen 2 Hintersassen wohnen; 400fl.
Sämtliche diese Gebäude sind in der Vierung herumgebaut und schließen nebst einer steinernen Mauer einen geräumigen Hof ein, worin eine große Dunggrube und ein reiner fließender Brunn enthalten ist, Dieser Brunn hat zwei große steinerne Tröge. - An Feldern usw.


 
Brief des Verwalters Fries zu Zoppoten an den von Reitzensteinischen Richter Nicol Schrepfer in Marlesreuth

Da die traurige Nachricht gestern angekommen ist, daß unser gnädiger Herr in Dänemark
am 25. Dezember vorigen Jahres verstorben ist, so habe ich Euch solches hierdurch melden und zugleich bitten wollen, dem Pachter davon zu sagen, daß es jetzo mit Pachtverlängerung auf Reitzensteinischer Seite zu Ende sei und daß er sich mit der Fütterung darnach zu richten habe, daß er sein Inventarium an Heu und Stroh und Körnern übergeben könne, und stünde also bei ihm, ob er sich mit dem künftigen Besitzer wolle in einem anderweitigen Pacht einlassen; auch soll derselbe darauf bedacht sein, sein rückständiges Pachtgeld parat zu halten und von dem seinigen nichts zu verschleudern bis seine Herrschaft befriedet sei.

Der Wirth Kiesling soll sein Bierbuch nebst dem Zapfengeld mit herunterschicken und wann das rückständige Jagdpachtgeld von dem vorigen Herrn Vogt eingegangen ist, so erwarte solches auch.

Auch kann Euer Sohn bis Montag oder Dienstag zu rechter Zeit zu mir herunter kommen, so will ich unter diesen Umständen das Gut gegen 40 fl. Lehengeld, aber Siegel- und Schreibgebühr noch besonders, zuschreiben und noch zu Lehen reichen; außerdem aber muß ich bei übergeben des Gutes an Bamberg es dahin antragen, daß solches tariert werde.
Mit schönster Begrüßung an alle

verbleibe meines lieben Richters ergebener  G. L. Fries
Zoppoten den 10. Jener 1782
Herrn Pfarrer bitte nebst gehorsamer Empfehlung solchen Todesfall zu melden. Nach Bamberg habe ich schon geschrieben.

 
Das Ende von Schloß Nestelreuth

Besitzer des Gutes war später der am 18. Januar 1843 verstorbene Johann Ernst Ulrich Klinger, der am 24.12.1840 für 9000 fl. an Johann Heinrich Hahn aus Pöschwitz bei Altenburg (Thür.) verkaufte.
1862 wurde das Gut stückweise verkauft, die Scheune abgebrochen und die Stallung zu einem zweiten Wohnhaus eingerichtet (Hs. Nr. 2). 1867 brannte das Schloß ab, wurde aber im gleichen Jahr wieder aufgebaut (Hs. Nr. 1a und 1b).