Zuletzt geändert am 23.04.2008
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Die Marlesreuther Schulen und ihre Lehrer bis 1909

 
Die Schullehrer und ihr Auskommen in Marlesreuth
1770 - 1816
Im Jahre 1770 bekam die Schule einen neuen Schullehrer, oder richtiger Schulhalter und Organisten, den jungen Schullehrer, Johann Nicol West.
Im Jahre 1815 wurde eine Gemeindeversammlung abgehalten, in welcher die Bezahlung, des schon seit 44 Jahren in Marlesreuth tätigen Schullehrers West amtlich beschlossen wurde.
Daraus ging hervor daß die Bezahlung des Schullehrers, welche von der Dorfgemeinde bezahlt wurde folgendermaßen auszusehen hatte:

 Die Bezahlung bestand aus freiwilligen Geschenken der Eltern, die ihre Kinder in die Schule schickten, an Weihnachten, zur Fastnacht und für das "Gevatterbeten".
Für Kindstaufen erhält er vom Kindsvater Geld, nicht unter 6 Kreuzer, außerdem ist er zum Essen eingeladen oder er erhält dafür eine Vergütung von 15 Kreuzer.
 Bei Hochzeiten erhält er 20 Kreuzer von den Brautleuten und wird zum Hochzeitsessen eingeladen,
oder er erhält eine Vergütung von 30 Kreuzer, ein Schnupftuch und ein Geschenk von der Braut ins Gesangbuch gelegt, welches ihr vom Kirchner oder einem Schüler vorgelegt wird.
 Bei Beerdigungen erhält er 30 Kreuzer, wenn die Orgel gespielt wird und er ist zum Trauertrunk einzuladen.
Wird die Orgel jedoch nicht gespielt erhält er 15 Kreuzer und wird zum Trauertrunk eingeladen.
Bei einem stillen Begräbnis erhält er ebenfalls 15 Kreuzer, und muß auf Verlangen die Kirchenglocken läuten.
Der Schullehrer Johann Nicol West war mit dieser Bezahlung einverstanden.

Schullehrer und Organist West starb am 21. Februar 1816 im Alter von 70 Jahren kinderlos mit Hinterlassung einer Witwe in ärmlichen Verhältnissen in Marlesreuth.

Sein einstweiliger Nachfolger wird der Schulhalter und Schulgehilfe aus Selbitz, der 30 jährige Johann Wolfgang Häßler.

1816 - 1819
Am 1. Juni 1816 übernimmt der Schuldienstverweser Daniel Fleischmann die Schulstelle. Sein Einkommen beträgt zur damaligen Zeit:
 Das Schulgeld für 91 schulfähige Kinder sollte 145 Gulden 36 Kreuzer betragen. Da aber die Eltern alle recht arm waren, bekam er nur die Hälfte, nämlich 72 Gulden und 30 Kreuzer und 18 Gulden an Accidenzien.
 31 Laib Brot, den Laib zu 10 Kreuzer, macht 5 Gulden 10 Kreuzer.
Das Orgelgeld 10 Gulden 9 Kreuzer.
Das Jahreseinkommen betrug demnach 105 Gulden und 49 Kreuzer.

Was das Brennholz angeht, so muß der Schullehrer es selbst bezahlen, weil er weder von der
Kgl. Waldung noch von der Gemeinde Holz erhält. 
Die Schulholzfrage wurde erst am 27. Juli 1816 geregelt. Dabei einigten sich der Lehrer und die Gemeinde darauf, daß die Schulgemeinde jährlich vier Klafter gespaltenes, trockenes Holz, jedesmal bis zum 1. September bei ihm abzugeben habe.

Im Jahre 1819 wurde Daniel Fleischmann nach Selb versetzt.

1820 - 1839
Im Jahre 1820 übernimmt dann Schullehrer und Kantor Johann Adam Graf die Stelle des Schulleiters.
Graf wird zuerst provisorisch als Schuldienstverweser und ab 1. Dezember 1820 als Schullehrer und Kantor definitiv angestellt. Zuvor war dieser in Pommern, Dekanat Gräfenberg angestellt.
 Daß zur damaligen Zeit der Beruf des Lehrers ein ärmliches Amt war, bezeugt ein Schreiben 
vom 11. November 1829:
 " Durch die schnelle Vermehrung meiner Familie, welche 7 Personen zählt, durch lange Krankheitsumstände meiner Kinder und durch den letztvergangenen harten Winter, verfiel ich in Schulden, die mir große Sorgen verursachen..... " (Gewährt wurden 10 Gulden, später nochmals 20 und 15 Gulden).
 Von jeher war es bei der Marlesreuther Pfarrgemeinde üblich, daß die jeweiligen Schullehrer als Kirchner das "Taufpatenbitten" und Taufansagen bei dem kgl. Pfarramt Marlesreuth zu Selbitz übernehmen mußten.
 Graf legte im Jahr 1832 ein Taufbuch an, das von seinem Nachfolgern bis 1864 fortgeführt wurde; er befaßte sich auch mit der Schulgeschichte.
 Graf starb am 23. März 1839 im Alter von 41 Jahren, 3 Monaten und 14 Tagen und hinterließ eine Witwe mit 7 Kindern (von 13 waren 6 gestorben) und eine großen Schuldenlast.

Nach dem Tode des Schullehrers Graf übernahm dann bis zu seinem Abgang an das Seminar in Altdorf der Schullehrling Radner die Schule in Marlesreuth.
1841 - 1865
Am 19. Oktober 1841 übernimmt dann der bisherige Schulverweser zu Zips (bei Pegnitz),
Johann Adam Dippold die Schule in Marlesreuth. Es wird ihm ein jährliches Gehalt von 150 Gulden, das am 1. Januar 1843 auf 175 und später auf 200 Gulden erhöht wurde bezahlt.
Dippold erhielt die Schulstelle erst ab 1. Juni 1850 in definitiver Eigenschaft.
 Cantor und Lehrer Johann Adam Dippold starb am 13. Februar 1865 an einer Darmentzündung.
Er hinterließ eine Ehefrau mit 6 Kindern.

Vorübergehend übernahm Schulgehilfe Heinrich Bauer aus Thierstein die Schule.
1865 - 1876
Ab 16. Mai 1865 erhielt Christoph Gebhardt die Schule in der Eigenschaft eines wirklichen Lehrers.
Für den sehr tüchtigen Lehrer setzten sich der Lokalschulinspektor und der Distriktschulinspektor ein. 
Der Lokalschulinspektor wendete sich an den Distriktschulinspektor und schreibt am 9. Juni 1873:
" Nachdem Cantor und Lehrer Gebhardt in Marlesreuth seit Jahren die notorisch überfüllte ca. 160 Werktagsschüler zählende stärkste Schule im Distrikt mit der größten Gewissenhaftigkeit, Treue und Eifer mit Aufopferung seiner Kräfte mit dem günstriksten wiederholt von Kgl. Regierung belobten Erfolge leitet, erlaubt man sich die gehorsame Bitte zu stellen, daß dem Lehrer Gebhardt für seine außerordentliche Dienstleistung, welche sonst die Arbeit von 2 oder 3 Lehrern beansprucht, eine einmalige erkleckliche außerordentliche oder für die Dauer seiner ferneren Dienstleistung eine jährliche besondere Remuneration zuzuwenden."
 Auf dieses Schreiben hin wurden dem Lehrer eine einmalige Gratifikation von 20 Gulden zugestanden. Ab dem 1.11.1874  wegen Abteilungs Unterricht eine jährliche Vergütung von 250 Gulden.

Am 25. Januar 1876 meldet der Distriktschulinspektor an die Regierung: 
"Lehrer und Cantor Gebhardt ist bedenklich erkrankt. Nach Aussage des Arztes, des Herrn Hofrats Dr. Klinger, ist sein Leiden eine Folge der Überanstrengung."

Am 2. Februar 1876 berichtet der Distriktschulinspektor H. Beyer an die Regierung:
 " Kantor Johann Christoph Gebhardt ist am 1. Februar 1876 früh 6 Uhr entschlafen. Derselbe erreichte ein Alter von 47 Jahren und hinterläßt eine Witwe mit 7 noch unversorgten Kindern.
 In ihm verliert die Schule einen ihrer treuesten und gewissenhaftesten Diener, der Lehrerstand eines der ehrenwertesten Glieder."
Diese Anzeige mit tiefsten Schmerze erstattend, verharrt ehrerbietig gehorsamst
                                                                                                                Distriktschulinspektor H. Beyer


Vom 5.2. - 30.4. 1876 übernahm zur Aushilfe der Schuldiensterspektant Johann Schelter aus Kairlindach (b. Höchstadt a.d. Aisch) die Marlesreuther Schule.
1876 - 1884
Ab 1. Mai 1876 wird dem Schullehrer Johann Andreas Kolb in Culmitz die prot. Schul- und Cantorsstelle zu Marlesreuth in der Eigenschaft eines wirklichen Lehrers übertragen.
Lehrer Andreas Kolb wird ab 1. Mai 1884 nach Unterrodach versetzt.

Nachdem im Jahre 1880 das 2. Schulhaus eröffnet worden war, benötigte man einen zweiten Lehrer in Marlesreuth. Ab dem 1. Oktober 1880 übertrug man die Leitung des neuen Schulhauses dem Schuldienstexspektanten Georg Ruckdäschel aus Korbach, der für ein Jahresgehalt von 600 Mark inklusive Zulagen die Stelle übernahm.
Ruckdäschel wurde aber schon kurz danach nach Schwarzenbach an der Saale versetzt,
wo er am 1. Juli 1881 seine neue Lehrerstelle antrat.
 Nun mußte zusätzlich zu seiner 1. Schule der Lehrer Andreas Kolb die zweite Schule vorübergehend übernehmen.

Am 1. November 1881 erhält die Stelle der 2. Schule der Schulamtskanditat Emil Fugger aus Kulmbach. Er wird ab 1. April 1883 zum selbständigen Schulverweser an der 2. Schule in Marlesreuth befördert.
1884 - 1907
Da der bisherige Lehrer der 1. Schule Andreas Kolb nach Unterrodach versetzt worden war, bekam  am 1. Mai 1884 der Schulverweser Andreas Heidenreich aus Lichtenfels die prot. Schul und Kantoratsstelle in Eigenschaft eines wirklichen Lehrers übertragen.
 Bezirksoberlehrer Heidenreich wird am 1. Dezember 1907 nach Thuisbrunn versetzt.

Schulverweser der 2. Schule Emil Fugger wird ab dem 16. Oktober 1884 nach Weidmes versetzt. Seine Stelle wird dem Schuldienstexspektanten Adam Schwimmbeck aus Kulmbach übertragen.
 Aushilfe an der 2. Schule leistet der Schulpraktikant Erhardt Hauck aus Bamberg vom 1. Juli 1885 bis 30. April 1886; er wird ab 1. Januar 1887 zum Verweser befördert.
 Schuldientexspektant Schwimmbeck, der ab 1. Januar 1886 zum selbstständigen Schulverweser an der 2. Schule befördert worden war, starb am 8. April 1886, 20 Jahre und 1 Monat alt in Füssen, wo er sich bei seinen Eltern aufgehalten hatte an Lungenschwindsucht.

Von nun an war es ein einziges Kommen und Gehen der Lehrkräfte in der 2. Schule.
Verweser Hauck wird ab 1. Oktober 1887 nach Haidengrün versetzt; sein Nachfolger wird
Johann Geyer aus Siegritz der aber bereits am 1. August 1888 nach Wötzelsdorf versetzt wird.
 Ihm folgt Schulpraktikant Heinrich Eck aus Schauenstein zur vorübergehenden Leitung der
2. Schule, dann am 1. Januar 1890 Ludwig Seyder aus Röhrenhof, ab 1. Oktober 1892 Friedrich Pistor aus Lindenhard als selbstständige Verweser.

Der Schülerstand am 4. Dezember 1894: 
1. Schule: 70 Werktags- und 27 Sonntagsschüler.
2. Schule: 58 Werktags- und 30 Sonntagsschüler.

Die Lehrerstelle der 2. Schule wird am 1. Mai 1895 gegen ein Gehalt von 680 Mark jährlich dem Schulverweser Hans Müller übertragen, der jedoch bereits am 1. Oktober 1896 nach Dutendorf bei Höchstadt a.d. Aisch versetzt wird.
 Sein Nachfolger wird Hilfslehrer Wilhelm Müller aus Unterkotzau. Ab 16. Juni 1898 ist dieser nach Nemmersdorf bei Bayreuth versetzt.
 Der Schulverweser der 2. Schule wird nun Georg Friedrich Freiberger aus Schlopp, Gemeinde Wildenstein. Freiberger wird am 1. Mai 1900 nach Walpenreuth versetzt.
Bis zu seiner Einberufung zum Militär am 1. Oktober 1900 übernimmt August Schricker aus Kleinschwarzenbach das Amt des Schulverwesers.
 Die Hilfslehrerstelle übernimmt nun mit einem Jahreseinkommen von 820 Mark ab dem 1. Okt. 1904 der Hilfslehrer Andreas Sponsel aus Windischenlaibach, der aber am 1. Juli 1906 nach Fölschnitz versetzt wird.
 Ihm folgt nun Friedrich Greim aus Fölschnitz mit einem Monatsbezug von 60 Mark, 
der aber ab dem 1. Juli 1907 aus dem oberfränkischen Schulverband entlassen wird.
 Ab 1. August 1907 übernimmt die Hilfslehrerstelle Heinrich Borger aus Bernstein am Wald.
1907 - 
Nachdem Bezirksoberlehrer Heidenreich nach Thuisbrunn versetzt worden war, war die Stelle des  Schulverwesers der 1. Schule neu zu besetzen. Vorübergehen übernimmt die Schulstelle Andreas Fränkenschuh aus Thuisbrunn.
 Ab dem 1. Mai 1909 wird dem Volksschullehrer Georg Schmidt aus Tettau die 1. Schul- und Kantoratsstelle mit einem jährlichen Einkommen von 1200 Mark übertragen.

Der Schulverweser der 2. Schulstelle, Heinrich Borger, wird am 1. September 1909 nach Hof versetzt.
 Von da an wird diese Stelle mit einem Monatsgehalt von 60 Mark Hans Rosenbusch aus Kulmbach übertragen.

In diesen 139 Jahren Schulwesen in Marlesreuth waren sage und schreibe 29 Lehrkräfte tätig.
Fast alle Daten wurden aus der "Chronik von Marlesreuth" aus dem Jahre 1961 übernommen, die von Hans Silbermann (Schulrat i. R.) unter großer Mühe recherchiert wurden.