Zuletzt geändert am 23.04.2008
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Das Halsgericht über Marlesreuth und Gerichtsakten

 
Obwohl die Wildensteiner von den Bischöfen 1422 das Halsgericht erhalten hatten, erhielten auch die Reitzensteiner 1492 das Halsgericht, was immer wieder Streitigkeiten über die Zuständigkeit beider Gerichte auslöste.

1507 erschien die "BAMBERGISCHE PEINLICHE HALSGERICHTSORDNUNG"
1516 die für die "BRANDENBURGISCHEN FÜRSTENTÜMER ERLASSENE HALSGERICHTSORDNUNG", 
die als Strafen die Tortur, das Brennen, Schneiden, Hängen, Enthaupten, Rädern und Augenausstechen nannte, und 1533 die unter Kaiser Karl V. Kirchliche Busen und Sühnekreuze haben nun keinen Sinn mehr. Statt der Sühne gibt es nun Strafen. An die Stelle der Sühnekreuze tritt nun das "Erinnerungszeichen" am Tatort, jetzt nun nicht mehr vom Täter, sondern von der Familie des Erschlagenen errichtet. 
1561 wurde in einem Vertrag zu Eger bestimmt, daß unter hoher Gerichtsbarkeit alles verstanden werde, was nach gemeinen Recht dazugehört, und dies 1589 dahin erläutert: 
Gotteslästerung, Ketzerei, Zauberei, Vergiftung, Kirchenraub, Ehebruch, Notzucht, Verstümmelung, Verkauf eines Menschen wider seinem Willen und alle Diebereien, die über 3 Gulden betragen. 
Alles andere solle zur niederen oder Erbgerichtsbarkeit gehören.

Die Markgrafen beanspruchen das Halsgericht über Marlesreuth

Wir Friedrich und Sigmundt gebrudern von gottes gnaden Markgrafen zu Brandenburg Bekennen und thuen kundt offentlich mit dem brieue gen jedermenglichem, daß wir von unserm lieben getrewen Hansen vom Reitzenstein zum Schwarzenstein gelubt und eyde genomen, und Ime daruff awß besondere gnaden Recht und redlich gelihen haben das Halsgericht uber das gantz dorff und alle gutte zu Marsreut zu dorff unnd zu felde, das dan hieuor ein tail In unser gericht gein Schawenstein und ein teyl Inn unser gericht gen naylein gehört hat ..... Geben zu Plassemberg am dritten Hayligen Oster feyertag Ao. 1492
20. Juni 1529: Lehenrevers des Hanns von Reytzenstein zu Schwärtzenbach ......; item daraus auch das Halsgericht über das Dorf Marxreut.
Die Markgrafen belehnen in ununterbrochener Folge vom 12. November 1547 - 26. März 1744 die v. Reitzenstein mit dem Halsgericht über Marlesreuth.


 
Die Bamberger Bischöfe und das Halsgericht über Marlesreuth

28. Juni 1422. Auszug und Verzeichnis aus alten Lehensbriefen, welcher Gestald dem Geschlecht  von Wildenstein das Halsgericht daselbsten zum Wildenstein, auch Presseck und Marlesreuth, von den löblichen Stift Bamberg geliehen worden.
1422.: Geben Sambstag nach Sanct Johannstag zu Cronach: Leehensbrief Bischoff Friedrichs für Wilhelm und Neithart von Wildenstein, Gebrüder, über den halben Teil an Schloß zu Wildenstein mit allen seine Zugehörungen item was sie haben an dem Dorf Naylein mitsamt dem Halsgericht daselbst und was sie an dem Dorf zu Marleßreuth haben mit all ihren Zugehörungen jenseits des Waldes, das alles von uns und unserem Stift zu Lehen rührt.

1460.: Wilhelm von Wildenstein hielt sich am Hofe des Bischofs Friedrich von Bamberg auf. Sein Sohn Wilhelm wurde 1445 Lehenfähig und empfing vorerst die bambergischen Lehen in Gemeinschaft mit seinem Oheim Neithart. 1460 vermählte er sich mit Elisabeth von Wolfersdorf. Er besaß den 4. Teil an dem Stammgut Wildenstein mit Zubehör, den Hofbau zu Naila, 18 Güter zu Naila und 15 Güter zu Marlesreuth als bambergische Lehen, dann der Sutz auf dem Wale zu Naila, auf welchem der Bergfried steht, die Hofstatt eines anden Sitzes, ferner 6 Güter zu Weidesgrün als burggräfliches Lehen; endlich das Dorf Culmitz als freies Eigen. 

 
Aus den Gerichtsakten

Das Bamberger Staatsachiv berichtet: 
"Item mehr hat einer, Friedl Padenschatz genannt, zu Marlesreut gesessen, 
einen mit Namen Hannsen Taigen zu Marlesreuth im Dorf ableibig gemacht und der obengenannte Padenschatz hat solchen Totschlag Wolfen und Hieronymussen beder vor Wildenstein seliger Vormündern Georg Schirndinger und Hansen von Dobeneck von Gerichtswegen verbüßt, 
wie dann die Kundschaft obvermeldt davon sagt, und ein steines Creutz, das noch vor Augen 
im Dorf Marlesreuth steht, gesetzt und der Ableibig auf dem Kirchhof zu Marlesreuth ohne
männiglich Einsegnen begraben worden anno 1459".

" Item Wilhelm von Wildenstein, Wolffen von Wildenstein sel. Ahnherr, hat Hannsen H. zu Marlesreuth im Dorfe daselbst die Kirche erbrochen und einen Kelch daraus gestohlen, gefänglich einnehmen, gen Wildenstein führen und mit Urteil und Recht daselbst mit dem Feuer vom Leben zum Tod richten lassen. Wie denn die Kundschaft so derobhalben gestellt und in unsers gnädig Herrn von Bambergs Canzlei geantwortet, klärlich davon steht. Anno Domini 1461."
"Item ist einer mit Namen Nickl G. am Tag Marie Magdalene durch Hannsen W. zwischen Naila und Marleßreut erschlagen worden; ist der Vogt von Naila gekommen und hat den nehmen wollen; wie er auf die Walstatt kommen und gesehen, daß der Tote auf der vom Wildenstein Feldung gelegen, ist er wieder abgezogen und hat sich des Ableibigen nicht annehmen wollen; und durch Erharten, Rudolffen, Wilhelmen, Moritzen und Hannsen alle vom Wildenstein, mit ihren armen Leuten gen Pressek geführt und ohne männiglich Einrede dahin begraben worden, welches alles mit der fraiflischen Obrigkeit gen Wildenstein gehört. Anno 1526."
" Item ist einer, der B... genannt, durch die zween Brüder, beide Hansen die Rodmenner genannt, zu Marleßreut ableibig gemacht und dem Ableibigen eine Hand durch Wolff von Wildensteins Vogt zum Leibzeichen abgehauen und gen Wildenstein ohne männiglich Einreden gebracht worden. Anno 1537."
"Item ist auch bei Lebzeiten und Regierung des Hochwürdigen Fürsten und Herrn, Herrn Weyganden Bischofen zu Bamberg, unsers gnädigen Herrn, ein Knab durch einen Ochsen zu Nestelreut erstoßen, damals die Sachen gegen Stadtsteinach, deren enden ihro fürstlich Gnaden bericht worden. Die Herren erkannten, den Täter als Ochsen zu verbrennen. Darauf dann ihro fürstlich Gnaden diesen gnädigen Vorschlag getun, obwohl die Täten nicht recht oder gut, so sollte man doch den Ochsen als ein unvernünftig Tier schlachten und das unter arme Leute austeilen. - Dabei es ohne Einrede männiglich blieb."
"Item so ist ein junger Knab zu Marleßreut den 31. August 1567. Jahres durch ein Pferd geschlagen, daß er dann am 1. September verstorben, fürder gen Presseck geführt, daselbst begraben; sowohln auch das Pferd als der Täter dahin nach Presseck geschick worden, obwohl die brandenburgischen Herrn Oberhauptmann und Räte wegen deren von Reitzenstein sich damals dessen angemaßt, solches auch um Abschaffung an den hochwürdigen Fürsten, meinen gnädigen Herrn von Bamberg gelangen zu lassen, so ist es doch dabei also geblieben."
"Ebnermaßen auch, so hat ein Nickel Prentl, sonst Jung Muck genannt, Anno 78 auf einer Hochzeit zu Marleßreut einen Glaser, mit Namen Hans Hoß, durch einen Stich ableibig gemacht, welcher Entleibte dann gleichergestalt nach Presseck geführt und daselbst begraben worden; der Täter aber in der Flucht davon kommen und obwohl dieser Täter hernach zu Naila durch den Vogt verstrickt und fürder durch die brandenburgischen Oberhauptmann und Räte verglaitet worden und ihm eine Geldstrafe zu geben auferlegt werden wollen, so ist doch hinwieder durch die von Wildenstein ein solches in Schriften geahndet und zu Erhaltung ihrer Gerechtigkeit auf erlangten Befehl der Täter den 9. Oktober des 79. Jahres im Dorf Marleßreut zu Haft genommen und gen Presseck zu gefänglicher Verwahrung gebracht worden, welcher hernachher aus der Gefängnus gebrochen und es dabei verblieb."
20. Juni 1605: Schreiben des Bischofs Johann Philipp an den Markgrafen Christian.
" Hochgebohrener Fürst, besonders lieber Herr und Freund, uns ist von dem festen, unserem lieben getreuen Wilhelm von Wildenstein und seinen Gevettern Bericht zugegegangen, wie sich unlängst auf einem vor dem Bernholz gelegenen und neben anderen des Ritterguts Presseck Pertinentien von uns und unserm Stift zu Lehen tragenden Gütlein ein Fraischfall zugetragen, indem Eberhard Diepold von Poppengrün durch Endreßen Stoß, Besitzer dieses Gütleins, den 17. Mai ableibig gemacht. Und als darauf der von Wildenstein den toten Körber daselbst abholen, in unser Gericht Presseck führen und begraben lassen, durch den Hauptmann zu Hof Gerhardt Sigmundt von Leschwitz ein solches schriftlich verwiesen und den Entleibten wiederum auf die Walstatt zu liefern begehrt worden....
Um die Ausübung der peinlichen Justiz stritt man sich und suchte sich die Delinquenten und corpora delicti gegenseitig mit Gewalt zu entreißen.
" Am 7 März 1649 hat Adam Asmus von Reitzenstein auf Froschgün den Georg Wilhelm von Dobeneck zwischen Marlesreuth und Nestelreuth vom Pferde geschossen und ist der Tote vom hiesigen Vogt Adam Grimm von Marlesreuth aus nach Naila gebracht worden, obwohl Hans Heinrich von Reitzenstein zu Nestelreuth und Wolf Gerhardt von Guttenberg zu Marlesreuth den von Dobeneck aufheben und auf bambergisches Gebeit und Lehen bringen wollten. 1630 wurde eine Dirne, die in Marlesreuth ihr Kind umgebracht hatte, dahier ertränkt."
Am 4. Dezember 1722 vollzog man die Strafe des Staubschlagens in Hof an einem Kreis von 77 Jahren aus Marlesreuth, der durch Zauberei eine Krankheit unter das Vieh seines Edelmannes verursacht und dadurch den Tod von 36 Stücken herbeigeführt haben sollte. Nach der Auspeitschung ließ man den alten Mann auf einem Karren wegfahren.-
Diesen Fall behandelt ausführlich Herr Hauptschullehrer Hans Dill aus Marlesreuth im "Der Selbitzer Bockpfeifer" 1957. Daraus folgendes:
Am 4. Dezember 1722 schlagen der Nachrichter und sein Knecht vor dem Rathaus in Hof mit Ruten auf den entblößten Oberkörber des alten Mannes, bis er ohnmächtig zusammenbricht. Daraufhin laden sie den aus zahlreichen Wunden blutenden Greis auf einen Schubkarren und fahren ihn bis an die Landesgrenze. Denn mit dem Staubschlagen war auch die ewige Landesverweisung verbunden. 
Auf einer Straße im Nachbarstaat erliegt der alte Teckelmann Hannes den Folgen seiner Strafe; irgendwo verscharrt man ihn wie ein verendetes Tier. -So kam ein ehrbarer Bauer durch das Getratsch eines bösen Weibes nicht nur um seinen guten Namen, sondern auch um sein Leben. -
Acht Tage nach der Staubung des alten Mannes erhielt der Freiherr von Wildenstein von der Hauptmannschaft Hof eine Rechnung zugestellt, die unter anderem folgende "Malefizkosten" enthielt:
für den Nachrichter weiln er den Inquisiten (Angeklagten) mit der Tortur terrierte 
(erschreckte, ihm Schrecken einjagte)                                                                                               35 Kr.
weiln er denselben nach erkenneter peinlicher Frage wirklich angegriffen 
und torquieret (gefoldert)                                                                                                                    30 Kr.
weiln er denselben zu sechs Malen mit der glühenden Zange gegriffen,
von jedem Zwicke 15 Kr. tut                                                                                                        1 fl. 30 Kr.
weiln er den Deliquenten zur Staube geschlagen                                                                               30 Kr.
weiln er denselben bis zur Grenze geführt                                                                                          50 Kr.
für den Knecht des Nachrichters                                                                                                        30 Kr.